Google: Personalisierte Suche ist nun Standard

Google liefert ab sofort personalisierte Ergebnisse für alle Nutzer, auch wenn diese nicht mit ihrem Google-Account eingeloggt sind und die Web-History abgeschaltet haben. Google möchte so den Nutzern bessere Suchergebnisse zeigen. Die technische Grundlage der personalisierten Suche ist ein Cookie mit der Lebensdauer eines halben Jahres, über das Google eine Suchhistory speichert. Diese Suchhistory enthält aber nicht nur die Suchanfragen, sondern auch die daraufhin angeklickten Ergebnisse.

For example, since I always search for [recipes] and often click on results from epicurious.com, Google might rank epicurious.com higher on the results page the next time I look for recipes.

Google-Nutzung personalisiert Das heißt im Klartext, dass Google klammheimlich von der bisherigen Opt-In-Regelung für die Speicherung des Suchverhaltens nun zu einer Opt-Out-Regelung übergegangen ist. Klammheimlich? Ja, klammheimlich, denn auf der Google-Homepage findet sich kein Hinweis dazu und auch die Datenschutzhinweise zur personalisierten Suche stammen noch vom Februar 2007. Ich bin mir sicher, es wird die hiesigen Datenschützer interessieren, dass Google künftig ungefragt die Suchanfragen und das Klickverhalten jedes Nutzers speichert. Und für die Ermittlungsbehörden ergeben sich ebenfalls ganz neue Möglichkeiten: Wird Google künftig Auskunft geben müssen, wenn die CIA ankommt und sagt, hier habt ihr das Cookie eines Terrorverdächtigen, zeigt uns mal, wonach der so gesucht und was er angeklickt hat?

Toll ist auch, dass die Suchhistory über das angeblich anonyme Cookie auch für jene Nutzer aktiviert wird, die die Suchhistory bewusst abgeschaltet haben. „Angeblich anonym“ deshalb, weil beide Cookies bei Google gespeichert werden, es also für Google sehr wohl möglich ist, eine Verbindung zwischen beiden Accounts herzustellen. Und geradezu perfide ist, dass das Löschen aller Cookies die neue Suchhistory wieder einschaltet, falls man sie entsprechend Googles Hinweisen ausgeschaltet hat. Über welche Methoden die neue Überwachung Personalisierung abgeschaltet werden kann, hat Hanns in seinem Artikel ausführlich erklärt.

Und was heißt das nun fürs SEO?

In Einzelfällen werden sich künftig große Abweichungen zwischen den Suchergebnissen zweier verschiedener Google-Nutzer ergeben. Für die Mehrzahl der Nutzer aber werden sich die Ergebnisseiten so ähneln wie jetzt auch. Probleme wird es wohl eher in der Kommunikation mit den SEO-Kunden geben. Denn der wird auf seinem Rechner häufig mit den für seine Website wichtigen Begriffen suchen und er wird andere Ergebnisse anklicken als der Durchschnitt der Google-Nutzer – mit dem Resultat, dass die Google-Ergebnisseiten beim Kunden ganz anders aussehen als sie die SEO-Tools ermitteln. Das wird einigen zusätzlichen Erklärungsbedarf beim Reporting geben.

Sicherlich lässt sich sogar die Frage aufwerfen, inwieweit ein klassischer Ranking-Report noch funktionieren kann. Denn ein solcher Ranking-Report simuliert einen Nutzer ohne Personalisierungscookie und zeigt somit die komplett unpersonalisierten Ergebnisse. Da ich aber annehme, dass der Großteil der Nutzer für den Großteil seiner Suchanfragen keine personalisierungsfähige Suchhistory aufweisen wird, sehe ich das nicht als so besonders problematisch an.

Zudem bin ich noch nicht überzeugt davon, dass die jetzt eingeführte Opt-Out-Regelung in Europa Bestand haben wird. Schließlich ist die rechtliche Situation in Europa so, dass der Nutzer ausdrücklich einwilligen muss, wenn seine Daten auf Rechnern außerhalb des Gültigkeitsbereichs der europäischen Datenschutzrichtlinie (also z.B. in irgendwelchen Rechenzentren in den USA) gespeichert werden. Das scheint mir Google bisher zu ignorieren.

Aber unabhängig davon, wie stark sich die personalisierte Suche im Alltag auswirken wird, eines sollte schon lange klar sein. Seriöse Suchmaschinenoptimierung für gute Websites muss darauf abzielen, alle Aspekte der Website besser zu machen. Das geht bei der richtigen Auswahl der Keywords los, hört aber bei den Suchmaschinenplatzierungen nicht aus, sondern betrifft auch Fragen der Click-Thru-Rate (CTR), der Usability der Site oder der Conversion-Optimierung. Richtiges SEO ist und bleibt eine ganzheitliche Tätigkeit.

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