Getarnte Linkbaits enttarnt

Illustration: Linkbaits

Viel wird darüber diskutiert, was einen guten Linkbait ausmacht und wie ein guter Linkbait zu konstruieren ist – und so sehen denn auch viele Linkbaits aus: konstruiert. Da werden leere Schuhschachteln durch die Gegend geschickt oder der Einbau eines Shopwidgets mit der Teilnahme an einer Verlosung belohnt. Dabei sind sich viele SEOs einig, dass der beste Linkbait der ist, der gar nicht als solcher wahrgenommen wird. Deshalb habe ich nun einige Linkbaits enttarnt, die zunächst gar nicht als Linkbaits zu erkennen waren. Darunter sind einige Linkbaits, die so gut getarnt erscheinen, dass nicht mal die Urheber wissen, dass sie einen Linkbait in die Welt setzten.

Vaporware

Für einen Linkbait hervorragend geeignet ist die Ankündigung von Vaporware. Im Idealfall hängt sich dieser Linkbait an einen globalen Hype und kommt in dessen Windschatten zu enormer Popularität. Wie das geht, hat dieses Jahr die Berliner Neofonie mit ihrem WeTab gezeigt: Man warte auf den nächsten Apple-Knaller, kündige dann ein ähnliches Produkt an und stelle einen Prototypen davon der Öffentlichkeit vor. Ist jene dann enttäuscht, weil niemand das Ding anfassen darf und zudem Windows-Fehlermeldungen erscheinen, wird die sowieso schon große Zahl an Links nochmals gesteigert. Schließlich gilt beim Backlinkaufbau der alte Satz ganz besonders: No News is bad News – und Bad News geben gute Links. Linkbuilder, die wirklich mutig sind, treiben den Vaporware-Ansatz auf die Spitze und benennen das Produkt mitten in der Kampagne um, was weitere Links einbringt.

Um den Linkbait gut zu tarnen, geht der professionelle Vaporware-Linkbuilder her und hat zu Beginn der Kampagne nicht mal eine eigene Zielseite, sondern lässt die Links auf ein Facebook-Profil setzen. Die bereits erwähnte Umbenennung gibt dann die Möglichkeit, nun eine eigene Zielseite für den Linkbait zu starten. Da der Hype des Linkbaits inzwischen so groß ist, erzeugt alleine diese neue Website wieder zusätzliche Links.

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Das Ergebnis der Bemühungen kann sich sehen lassen: Innerhalb weniger Monate konnte die Website eine IP-Popularity von mehr als 500 erreichen, darunter Backlinks von wichtigen Websites wie Wikipedia, ORF oder Engadget.com. (Es hält sich nach wie vor das Gerücht, dass es sich dabei nicht um eine Vaporware handeln würde, sondern ab dem 19. September das Gerät tatsächlich ausgeliefert wird. Lassen wir uns überraschen.)

Absolut unsinnige Artikel

Wem der Vaporware-Ansatz eine Nummer zu groß ist, der kann sich auf die uralte Linkbuilder-Idee stürzen und kontroverse Artikel schreiben. Allerdings muss das dann schon wirklich so Banane sein, dass manche Blogger ihre Linkbait-Aversion ablegen und den Beitrag trotzdem verlinken. Gelungen ist das der „Berliner Umschau“ mit einer bahnbrechenden Erkenntnis:

Google, Bing, Yahoo usw. verkaufen hochstehende Suchergebnisse an den Meistbietenden!

Gemeint waren damit natürlich die seit einem Jahrzehnt etablierten Adwords-Anzeigen. Immerhin hat das für ca. 10 Links gesorgt. Ich gebe die Quelle hier nur als Text an, da die nervigen Pop-Up-Werbebanner einer Verlinkung entgegenstehen: http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=25062010ArtikelPanoramaWeiss1

In der gleichen Größenordnung wurde ein Artikel verlinkt, der einfach mal eine vollkommen hirnrissige Behauptung über Erlang und Java aufstellt:

While many people don’t realize it, Erlang was first implemented on the JVM.

Dabei lässt sich der Autor, der so tut als wolle er eine Satire versuchen und so seinen Linkbait tarnt, nicht von Details stören. Etwa der Tatsache, dass Erlang längst im Produktiveinsatz war, als Java noch entwickelt wurde.

Geile Ideen

Doch auch der Linkbait über richtig geile Ideen ist nach wie vor für den Linkaufbau geeignet. So hat das Sealife in Oberhausen einen genialen Linkbait mit dem Fan-Orakel Paul organisiert. Auch hier lief der getarnte Linkbait wie aus dem Lehrbuch: Man nutze einen vorhersehbaren Hype, in diesem Falle die Fußball-WM. Dazu starte man eine tolle Idee – darauf, einen Kraken Fußballspiele tippen zu lassen, muss man ja erst mal kommen. Und dann wird das über Deutschlands Hype-Machine Nummero Uno – bild.de – verbreitet. Dumm nur, dass die Sealife-Linkbuilder verpennt haben, ihrem Medienstar eine eigene Website einzurichten. Vielleicht sollten sie sich mal bei der Neofonie erkundigen, wie der zweite Teil des Hype-Linkbaitings so funktioniert.

Aber auch im Windschatten eines Windschattenfahrers lässt sich noch gut linkbaiten. Das hat das Wurstblog eindrucksvoll belegt. Kaum hatte das Krakenorakel einen spanischen Sieg vorhergesagt, konterte das Wurstblog:

Orakel-Krakauer „Pavel“ sagt deutschen Sieg voraus.

Als Lohn für diese schöne Idee gab’s Backlinks von 25 verschiedenen Domains. Für eine Website mit einer Domain-Popularity von 169 (nach heutigem Stand) ist das eine ordentliche Steigerung.

Sollen richtig viele Links rausspringen, muss sich der Linkbuilder aber auch richtig tolle Sachen einfallen lassen. Ein Beispiel für „richtig toll“ ist ein Projekt einiger MIT-Studenten, die sich als Raumfahrer betätigt haben. Das klingt zwar wie ein Multi-Millionen-Dollar-Ding, kostete aber in Wirklichkeit läppische 150 Dollar. Die Studenten ließen dazu einen Ballon in die Stratosphäre starten, hängten ein GPS-Gerät und eine billige Digitalkamera dran und organisierten sich auf diese Weise Links von CNN, Guardian, Spiegel und diversen Universitäten. Die IP-Popularity der Site liegt zehn Monate nach dem Launch bei 652.

Wer das Projekt nachbauen möchte, der findet auf der verlinkten Seite auch detaillierte Anweisungen zur Umsetzung. Allerdings sollte sich der geneigte Near-Space-Linkbuilder mit der Deutschen Flugsicherung sowie dem Luftfahrt-Bundesamt in Verbindung setzen.

Bildnachweis: jjayo – Fotolia.com

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25 thoughts on “Getarnte Linkbaits enttarnt

  • 27. Juli 2010 at 09:50
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    Da sind schon ein paar klasse Sachen dabei. Vor allem der letzte gefällt mir echt gut. Nur bezweifle ich stark, dass so was auch in Deutschland klappt. Die Aktion von Neofonie kam genau zum richtigen Zeitpunkt allerdings wird sich zeigen ob das Produkt überzeugen kann. Wenn nicht gibt’s halt eben Links aus den Reviews 😉 Noch eine gute Möglichkeit sind gefakte Bilder wie chromeosleak.wordpress.com ja schon gezeigt hat.

  • 27. Juli 2010 at 09:51
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    Sehr schöner Artikel, danke.
    „Darunter sind einige Linkbaits, die so gut getarnt erscheinen, dass nicht mal die Urheber wissen, dass sie einen Linkbait in die Welt setzten.“ wie wahr 🙂 – ich glaube, dass die Oberhausener überhaupt keinen Plan hatten, was Paul ihnen bringt.

    Ich antworte mal direkt mit nem eigenen Artikel…

  • 27. Juli 2010 at 09:56
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    Hallo Stefan !

    Schöner Artikel, aber glaubst du wirklich, das Paul ein Linkbait war ? Nach außen klar, aber strategisch intern ?

  • 27. Juli 2010 at 10:03
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    Nö, Paul war sicherlich nicht als Linkbait beabsichtigt, wäre aber ein klasse Chance gewesen. Ich bin über die vertane Chance gestolpert, als ich vor dem Spanienspiel versuchte, auf Pauls Website die Vorhersage fürs Halbfinale zu verfolgen und keine offizielle Website gefunden habe. Gerade dieses Orakel-Beispiel ist ein sehr schönes Exempel dafür, dass SEO in alle Aktivitäten mit Öffentlichkeitsbezug integriert werden sollte, möchte man das Maximum erreichen.

  • 27. Juli 2010 at 10:14
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    Danke für die Tipps. Letztendlich geht es um Kreativität. Ohne Idee und sauberes Konzept ist ein Linkbait reiner Zufall wie beim Beispiel Paul. Öffentlichkeit wurde auf jeden Fall erreicht, nur SEOtechnisch ist – wie von dir bereits erwähnt – leider nix passiert.
    Beim Video vom Ikarus-Projekt mag ich vor allem die letzten Minuten – der Absturz 🙂

  • Pingback: Wie man keinen Linkbait macht - tagSeoBlog

  • Pingback: Linkbait ist böse | kim live

  • 27. Juli 2010 at 15:54
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    .. guter Artikel – danke dafür.
    Die Beispiele sind spannend, aber gibt es dafür viele Beispiele?
    Ist aber auf jeden Fall eine spannende Sache – da ist auf jeden Fall Kreativität gefragt!
    Das Icarus-Projekt ist dabei für mich das beste Beispiel. Die Bilder sind genial – die Links der Lohn!

  • 27. Juli 2010 at 18:58
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    Toller Artikel. Das Vorgehen von Vaporware fand ich sensationell. Das zeigt auch recht schön, welche Möglichkeiten es gibt, den Linkbait nach den ersten Erfolgen nochmal richtig zu pushen.

  • 27. Juli 2010 at 20:40
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    Ein guter Artikel, sehr informativ! Ich denke, je kleiner die Webseite/Unternehmen, desto wahrscheinlicher das es „gekünstelt“ ist…. Apple macht es doch gut vor, man „vergisst“ mal schnell das neue Iphone und dann geht`s seine Runde….

  • 27. Juli 2010 at 21:48
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    Also bei dem Video hab ich Kopfschmerzen bekommen 😉

  • 27. Juli 2010 at 21:58
    Permalink

    Guter Artikel! Ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Das mit der Vapoware war mir bis heute nicht bekannt. Danke!

  • 28. Juli 2010 at 09:04
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    Hahaha, sehr schön. Auf den Linkbait von der Berliner Umschau bin ich gestern in meinem Blog auch eingegangen, ich war allerdings so frei und hab denen einen Link spendiert 😉

  • 28. Juli 2010 at 09:37
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    …und dein Artikel wird gleich auch zum Linkbait 🙂

  • Pingback: über seo-contests und linkbaits | dies und das

  • Pingback: Link-Controlling, die neue SEO Agentur Nische ? | SEO.SEM.SMO Podcast Radio4SEO

  • 30. Juli 2010 at 14:16
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    Beispiel von heute: Auf der facebook-Seite eines Starkochs wurde Folgendes gepostet:

    Wir machen eine neue facebook-Seite auf, die alte wird in zwei Wochen gelöscht – folgen Sie uns…..

    Mit so einer Aktion kann man sich auch wieder ins Gespräch bringen.

  • 2. August 2010 at 19:08
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    Sehr gute Artikel.
    P.S. ich bin auf eure Seite durch Amazon aufmerksam geworden!

  • 4. August 2010 at 10:09
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    in der tat interessanter artikel, obwohl ich mir in der tat auch ziemlich sicher bin, dass sich bei diversen medienaktionen ein ‚linkbaiting‘ eher als ein überraschender, aber nicht intendierter nebeneffekt eingestellt hat.

  • 4. August 2010 at 16:16
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    Hey Stefan,
    super Artikel, den hab ich durch meinen Urlaub doch fast verpasst!

    Glaubst Du wirklich, dass das WeTab Vapoware ist?

    Nicht dass ich glaube, dass Duke Nukem Forever noch erscheint 😀

  • 5. August 2010 at 09:13
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    @Kai
    Duke Nukem: Das wird schon noch, jetzt wo sogar Perl 6 fertig (naja fast) ist. Ich habe keine Ahnung, ob das NeoWeTabPad wirklich Vaporware ist. Aber so wie Neofonie mit quasi nichts einen Hype erzeugt hat, kam mir die Idee, dass man mit Vaporware super Linkbuilding machen könnte.

  • 23. September 2010 at 23:18
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    Mich würde interessieren wie kreativ man für ein Kleinunternehmen einen Linkbait machen kann. Für ein Standardpordukt

  • 25. September 2010 at 07:19
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    Die Sache mit Paul hat einige Websites übrigens sehr reich gemacht. Eine spanische Seite, Name entfallen, hat jedenfalls rechtzeitig reagiert und am Tag rund eine halbe Millionen visitors verzeichnet… Dort gab es auch ein „Schlag die Krake“ Spiel etc.

  • 27. September 2010 at 23:10
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    Mit den einfachsten Ideen kann man die tollsten Linkbaits „generieren“. Ein Beispiel: seo-united – Der SEO-Goldrausch ist vorbei.. Ein einfacher Beitrag auf einer gut besuchten Seite hat diesen Leuten viele viele Backlinks gebracht…

    LG

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